Wir trauern um unser verstorbenes Mitglied Pfarrer Msgr. Dr. Adolf Karlinger, der am Donnerstag nach Ostern verstorben ist.
Sein Primiz- und Leitspruch war: Wir sind nicht Herren eures Glaubens, sondern Diener eurer Freude. 2 Kor 1,24
Voll Dankbarkeit vertrauen wir ihn unserem auferstandenen Herrn an. Er vollende ihn in der Fülle Seines Lebens!
Pfarrbrief von Dr. Karlinger im April 2012
Liebe Pfarrgemeinde!
Gleichzeitig mit der Wahl des neuen Pfarrgemeinderates im März 2012 wird auch der Pfarrkirchenrat, der bei den wirtschaftlichen Belangen der Pfarre mitentscheidet, neu bestellt. Im nächsten Pfarrbrief werde ich über die Zusammensetzung des Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrates berichten. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass ich über die große Breitschaft nicht weniger Pfarrangehöriger, das Leben der Pfarrgemeinde mitzugestalten, sehr erfreut bin. Ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass sich viele in unserer Pfarre gut aufgehoben wissen und wohl fühlen. Dies hängt meines Erachtens auch damit zusammen, dass wir uns sehr bemühen, der Botschaft Jesu zu entsprechen und kirchenrechtlichen Bestimmungen, die m.E. dieser Botschaft widersprechen, den Gehorsam verweigern. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte ja das „aggiornamento“ die Zeitgemäßheit der Kirche zum Ziel, um ihre Aufgabe in der Welt von heute erfüllen zu können.
Der Aufruf zum „Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative um den bekannten Wiener Priester Helmut Schüller richtete sich ja nicht direkt gegen die Kirchenleitung, sondern bereits durchgeführte Praktiken, die dem Geist Jesu entsprechen, aber laut Kirchenrecht verboten sind. Ein notwendig geforderter Ungehorsam also. Und wäre in dieser Aktion das Wort „Ungehorsam“ nicht verwendet worden, dann wäre von Anfang an alles im Sand versickert. Ich denke zuerst an den Ausschluss von der Kommunion und das Verbot einer Segensfeier bei Geschieden-Wiederverheirateten.
Ein zweiter großer Bereich ist das starre Festhalten der Kirchenleitung am Zölibat, geradezu bedingungslos, was den immer weniger und älter werdenden Priestern, auf den Kopf fällt. Sie sollen immer mehr Pfarren übernehmen. Da ist eine bodenständige und persönliche Seelsorge nicht mehr möglich. Man spricht schon zynisch vom Blaulichtpfarrer oder Auspuffpfarrer, weil man nach dem Gottesdienst sein Auto nur mehr von hinten sieht. Wenn ich etwas zu sagen hätte, ich würde am Zölibat grundsätzlich festhalten, aber auch den verheirateten Priester zulassen wie dies in der griechisch katholischen – einer zum Papst gehörenden Kirche – und in allen Schwesterkirchen der Fall ist. Und warum sollte nur der zölibatär lebende Priester eine Pfarre leiten dürfen? Es gibt doch auch Diakone und nicht geweihte, die befähigt und berufen sind. Das Zweite Vatikanische Konzil hat weitsichtig das allgemeine Priestertum aller Getauften in Erinnerung gerufen und bekräftigt.
Die derzeitige Kirchenleitung verweigert in einer sich radikal ändernden Welt notwendige Reformen und verzichtet lieber auf kritische Glaubensschwestern und –brüder. „Gesundschrumpfen“ heißt das un-christliche Wort, statt Jesus Christus als „Licht der Völker“ glaubwürdig der Welt von heute zu verkünden.
Mir persönlich geht es als Pfarrer gut und meine Arbeit hat Sinn. So erfahre ich es. Ich spüre aber eine große Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Image und meiner persönlichen Wahrnehmung. Ich glaube, dass die Botschaft, die der Kirche anvertraut ist, sehr viele Menschen nicht verstehen, was nicht nur ihre eigene Schuld ist. Ich verstehe die Selbstdarstellung der Kirche auch immer weniger, die Selig- und Heiligsprechungen wirken auf mich inflationär und ein Zeichen des Rückzugs der Kirche in die „Kirche“. Was ist die Chance, die Aufgabe, die Sendung der 1,2 Milliarden Katholiken? In der Welt von heute!
Dr. Adi Karlinger
www.karlinger-adolf.at
Pfarrerinitiative-Diözese-Innsbruck
Dienstag, 1. Mai 2012
Freitag, 3. Februar 2012
PROTEST FÜR EINE GLAUBWÜRDIGE KIRCHE
Seit dem „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem wir uns dazu bekennen, künftig in eigener Verantwortung Zeichen der Erneuerung unserer Kirche zu setzen, kam von vielen Seiten aus dem In- und Ausland Zustimmung und Ermutigung – von bischöflicher Seite jedoch vorwiegend Zurückhaltung, bisweilen auch heftige Ablehnung. Zu einem Dialog kam es nur selten und abseits der Öffentlichkeit. Wir aber setzen dem gegenwärtigen Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein entschiedenes NEIN entgegen:
1 Wir sagen NEIN, wenn wir zusätzlich immer weitere Pfarren übernehmen sollen, weil uns das zu reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern macht, denen die eigentliche Seelsorge entgleitet. Wir widerstehen damit dem Trend, an vielen Orten flüchtig anwesend zu sein, aber keine spirituelle und emotionale Heimat zu finden und anzubieten.
2 Wir sagen NEIN zu immer mehr Eucharistiefeiern am Wochenende, weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual und allzu routinierter Rede werden, während Begegnung, Gespräch und Seelsorge verkümmern. Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren, macht unseren Dienst zur hohlen Routine.
3 Wir sagen NEIN zur Zusammenlegung oder Auflösung der Pfarren, wenn sich keine Pfarrer mehr finden. Hier wird der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen. Das Gesetz ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt. Gerade das Kirchenrecht hat den Menschen zu dienen.
4 Wir sagen NEIN zur Überforderung der Pfarrer, die man in einen mehrfachen Pflichterfüllungsstress drängt, deren Zeit und Kraft für ein geistliches Leben wegadministriert wird und deren Dienste weit über das Pensionsalter hinaus beansprucht werden. So kann sogar das früher verdienstvolle Wirken durch allzu lange Beanspruchung beschädigt werden.
5 Wir sagen NEIN, wenn das Kirchenrecht ein allzu hartes und unbarmherziges Urteil spricht: über Geschiedene, die eine neue Ehe wagen, über gleichgeschlechtlich Liebende, die in Partnerschaft leben, über Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung eingehen – und über die Vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen als einem von Menschen gemachten Gesetz.
Weil Schweigen als Zustimmung verstanden wird und wir unsere Verantwortung als Priester und Seelsorger wahrnehmen wollen, müssen wir diesen fünffachen Protest aussprechen. Er ist ein „Pro-test“ im wörtlichen Sinn: ein „Zeugnis für“ eine Kirchenreform, für die Menschen, deren Seelsorger wir sein wollen, und für unsere Kirche. Die Freudlosigkeit des heutigen Kirchenbetriebs ist kein gutes Zeugnis für die „frohe Botschaft“, die uns bewegt. Denn wir wollen „nicht über den Glauben herrschen, sondern der Freude dienen“(2 Kor 1,24).
Seit dem „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem wir uns dazu bekennen, künftig in eigener Verantwortung Zeichen der Erneuerung unserer Kirche zu setzen, kam von vielen Seiten aus dem In- und Ausland Zustimmung und Ermutigung – von bischöflicher Seite jedoch vorwiegend Zurückhaltung, bisweilen auch heftige Ablehnung. Zu einem Dialog kam es nur selten und abseits der Öffentlichkeit. Wir aber setzen dem gegenwärtigen Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein entschiedenes NEIN entgegen:
1 Wir sagen NEIN, wenn wir zusätzlich immer weitere Pfarren übernehmen sollen, weil uns das zu reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern macht, denen die eigentliche Seelsorge entgleitet. Wir widerstehen damit dem Trend, an vielen Orten flüchtig anwesend zu sein, aber keine spirituelle und emotionale Heimat zu finden und anzubieten.
2 Wir sagen NEIN zu immer mehr Eucharistiefeiern am Wochenende, weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual und allzu routinierter Rede werden, während Begegnung, Gespräch und Seelsorge verkümmern. Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren, macht unseren Dienst zur hohlen Routine.
3 Wir sagen NEIN zur Zusammenlegung oder Auflösung der Pfarren, wenn sich keine Pfarrer mehr finden. Hier wird der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen. Das Gesetz ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt. Gerade das Kirchenrecht hat den Menschen zu dienen.
4 Wir sagen NEIN zur Überforderung der Pfarrer, die man in einen mehrfachen Pflichterfüllungsstress drängt, deren Zeit und Kraft für ein geistliches Leben wegadministriert wird und deren Dienste weit über das Pensionsalter hinaus beansprucht werden. So kann sogar das früher verdienstvolle Wirken durch allzu lange Beanspruchung beschädigt werden.
5 Wir sagen NEIN, wenn das Kirchenrecht ein allzu hartes und unbarmherziges Urteil spricht: über Geschiedene, die eine neue Ehe wagen, über gleichgeschlechtlich Liebende, die in Partnerschaft leben, über Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung eingehen – und über die Vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen als einem von Menschen gemachten Gesetz.
Weil Schweigen als Zustimmung verstanden wird und wir unsere Verantwortung als Priester und Seelsorger wahrnehmen wollen, müssen wir diesen fünffachen Protest aussprechen. Er ist ein „Pro-test“ im wörtlichen Sinn: ein „Zeugnis für“ eine Kirchenreform, für die Menschen, deren Seelsorger wir sein wollen, und für unsere Kirche. Die Freudlosigkeit des heutigen Kirchenbetriebs ist kein gutes Zeugnis für die „frohe Botschaft“, die uns bewegt. Denn wir wollen „nicht über den Glauben herrschen, sondern der Freude dienen“(2 Kor 1,24).
Freitag, 25. November 2011
Klarstellung zum Artikel von Peter Nindler
Klarstellung
zum Artikel von Peter Nindler, TT, 25. Nov. 2011, S. 4
http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Tirol/3849531-2/ein-verfahren-jenseits--aller-rechtsstaatlichkeit.csp
Die Pfarrerinitiative der Diözese
Innsbruck ist für eine Reform des priesterlichen Amtes in der Kirche, nicht für
die Auflösung. Deshalb sind wir klar gegen die Feier der Messe ohne Priester.
Gemäß dem II. Vatikanischen Konzil soll die Bedeutung der Laien aufgrund ihrer
Taufe weiter aufgewertet werden. Dadurch stehen sie aber mit dem Amtspriester
in keiner Konkurrenz, sondern beide ergänzen und fördern einander.
Dekan Bernhard Kranebitter u. Dekan
Franz Neuner
(Sprecher der Pfarrerinitiative der
Diözese Innsbruck)
Sonntag, 13. November 2011
Stellungnahme zur Pressekonferenz und Presseerklärung der österreichischen Bischofskonferenz vom 11. November 2011
Positive Ansätze, Reformverweigerung beim Amt
Sehr positiv, wenn auch selbstverständlich, ist die Ankündigung: „Erneuerung der Kirche war der große Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem wir auch heute verpflichtet sind, und in Zukunft verpflichtet bleiben.“ Es ist erfreulich, dass die Bischöfe eine Initiative starten, sich neu mit den Texten „dieses großen Reformkonzils“ zu befassen, den Dialog mit den Priestern zu vertiefen, Glaubenserneuerung von innen her zu fördern und das „weltbewegende Thema“ der Gottsuche vermehrt aufzugreifen.
Bei allen Anliegen der Pfarrerinitiative aber, die die dringende Erneuerung des Amtes in der Kirche betreffen (Erweiterung der Zulassungsbedingungen für Priester, Beteiligung aller Getauften Männer und Frauen am Leitungsamt der Kirche, …), bleibt es bei der ängstlichen Reformverweigerung. Hier fehlt die Bereitschaft, im Blick auf das Evangelium und die Zeichen der Zeit Verantwortung und Macht zu teilen. Wenn die Bischöfe schreiben, dass die Rede von einer Eucharistiefeier ohne Weihesakrament „ein offener Bruch mit einer zentralen Wahrheit unseres katholischen Glaubens“ sei, dann geht das auch an ihre eigene Adresse. Wie kann die Leitung der Kirche es zulassen, dass die zur Erhaltung ihrer katholischen Identität notwendige Feier der Eucharistie in den Pfarren gefährdet ist, weil sie die Zulassungsbedingungen für Priester nicht erweitert, obwohl es auch dogmatisch durchaus möglich ist. - Aufhorchen lässt Kardinal Schönborn aber mit der Aussage: Regional unterschiedliche Wege in Fragen der Kirchendisziplin seien „vorstellbar, wenn dies weltkirchlich so entschieden wird.“
Der 'Aufruf zum Ungehorsam', so die Bischöfe, habe bei vielen Katholiken tiefe Sorge und Traurigkeit ausgelöst. Was verschwiegen wird: dass eine Mehrheit der Pfarrer und des Kirchenvolkes hinter weiten Teilen der Reformwünsche stehen.
Als Pfarrerinitiative der Diözese Innsbruck werden wir die positiven Ansätze wie auch die Gelegenheit zum Gespräch mit unserem Bischof gerne aufgreifen. Gegen die Reformverweigerung aber, die in der Presserklärung der österreichischen Bischöfe sichtbar wird, werden wir die Forderungen unserer Initiative im Anliegen für lebendige Gemeinschaften und Pfarren vor Ort weiterhin mit unserem ganzen Einsatz vertreten.
Dekan Bernhard Kranebitter, Dekan Franz Neuner
Weitere Zitate aus der Pressekonferenz:
Es gibt seit 2000 Jahren keinen besseren Reformweg als das Evangelium.
Die Kirche ist auch in unserem Land viel lebendiger, als es oft gesehen oder dargestellt wird. Auch hier gilt das Wort des Propheten Jesaja: „Schon wächst Neues. Merkt ihr es noch nicht?“
Zum Begriff "Ungehorsam" sagte Kardinal Schönborn, dass der Gehorsam gegenüber Gott und dem eigenen Gewissen Vorrang vor dem Gehorsam den kirchlichen Verantwortungsträgern gegenüber habe. Er zitierte den bedeutenden, von der anglikanischen zur katholischen Kirche konvertierten Kardinal John Henry Newman (1801-1890), dessen Trinkspruch "Erst auf das Gewissen, dann auf den Papst" gelautet habe. Gleichzeitig warnte Kardinal Schönborn vor einem "leichtfertigen Umgang" mit dem "Kampfwort" Ungehorsam. Es sei im Gespräch zu klären, was damit konkret gemeint sei.
Donnerstag, 10. November 2011
Als Gastredner beim Jubiläum "10 Jahre Ehrenamt im Heim Santa Katharina in Ried" hat kürzlich auch Altbischof Reinhold Stecher zur Pfarrerinitiative und ihren Anliegen Stellung bezogen:
Montag, 7. November 2011
Aktuelles:
„Kreuz&quer“-Umfrage zur Pfarrerinitiative und zum
„Aufruf zum Ungehorsam“
Die wichtigesten Ergebnisse im Detail:
Bericht von der Generalversammlung der Pfarrerinitiative
Österreich
am 6. November
2011, 15 – 18 Uhr, Linz, Ursulinenkirche
Von den 20 Mitgliedern unserer
Diözese haben wir zu sechst teilgenommen: Erich Daxerer, Ewald Gredler, Franz
Mayr, Franz Neuner, Ludwig Kleissner und Bernhard Kranebitter. Es haben sich 81
der inzwischen 361 Mitglieder eingefunden.
In einem kurzen Rückblick hat
Helmut Schüller über den Hintergrund berichtet, wie es zum „Aufruf zum
Ungehorsam“ gekommen ist, wie auch über die starken Reaktionen darauf und dem
großen Interesse, das der Initiatve auch von Priestern aus dem Ausland
entgegengebracht wird.
Wichtig war, dass anschließend
ausgiebig Zeit für sehr engagierte Stellungnahmen zur Verfügung gestanden ist.
Am intensivsten wurde unser erster
diözesaner Antrag diskutiert:
1.Der
„Aufruf zum Ungehorsam“ soll in Zukunft „Aufruf zur Selbstverantwortung“
heißen.
Die Ablehnung des Antrages mit
beinahe 90% wurde unter anderem mit dem Hinweis darauf begründet, dass „Aufruf
zum Ungehorsam“ so etwas wie ein vertrauter Markenname geworden sei, der nicht
geändert werden sollte. Wir müssen diese demokratische Entscheidung trotz
gegenteiliger Meinung akzeptieren.
Weitere Wortmeldungen:
-„Es bräuchte auch so etwas wie eine
Bischofsinitiative.“
-„Es geht
nicht um ein Match Pfarrerinitiative – Bischöfe, sondern darum, dass das Volk
Gottes vor Ort und als Gesamtes 'gewinnt'.“
-„Die von
Gott dem Volk Gottes und der Gemeinde zugesprochene Würde und Autorität sollen
zum Tragen kommen.“
-Hinweis
auf Can. 212 § 3 des Kirchenrechtes: Die Gläubigen haben „das Recht und
bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche
angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen …“
Mit über 90 % der Stimmen wurden
unsere beiden weiteren Anträge angenommen:
2.Unter
den diözesanen Mitgliedern der Pfarrerinitiative sollen „Diözesansprecher“
ermittelt werden, die mit dem Vorstand in wichtigen Fragen und bei
Stellungnahmen gemeinsam beraten und entscheiden.
oBis spätestens Weihnachten werden die Diözesansprecher
in den Diözesen ermittelt werden.
3.Die
im „Aufruf zum Ungehorsam“ genannten Anliegen sollen unter Einbeziehung von
Vertretern der Pfarrerinitiative aus anderen Diözesen Österreichs präzisiert
und weiterentwickelt werden.
oDie Diözesansprecher werden mit dem Vorstand die
Anliegen des „Aufrufes zum Ungehorsam“ und der Grundsatzerklärung „Mit
drängender Sorge“ präzisieren und weiterentwickeln. Mit allen Mitgliedern soll
in den Räten und Gremien der Pfarren, Dekanate und Diözesen in Dialog und
Aktion an deren Umsetzung gearbeitet werden.
In einem Referat sprach Dr. Markus
Schlagnitweit von der KSÖ über „Gehorsam und Ungehorsam in der Kirche“ und
verwies dabei besonders auf den lesenswerten Artikel „Gehorsam“ im Lexikon für
Theologie und Kirche.
Helmut Schüller zeigte als Obmann
der Pfarrerinitiative die Schwerpunkte für die Zukunft auf:
1.Weiterentwicklung,
Entfaltung, Schwerpunktsetzung der Anliegen, auch unter Einbeziehung von
Fachleuten.
2.Aufmerksamkeit,
dass die Bischöfe den Dialog primär mit dem Kirchenvolk und mit den
Pfarrgemeinden, nicht mit den Priestern führen.
3.Die
internationale Vernetzung, die bereits u. a. mit Ländern wie Deutschland,
Irland, Frankreich, Spanien, Polen, … besteht, soll ausgebaut werden.
Uns Mitgliedern der Diözese
Innsbruck ist in Überarbeitung des Punktes der Grundsatzerklärung der
Pfarrerinitiative „Mit drängender Sorge“ wichtig:
Leitung der Kirche durch deren Amtsträger schließt auf Grund
des gemeinsamen Priestertums die Teilhabe der Getauften und ihrer Gemeinden an
der Verantwortung und den Entscheidungen der Kirche ein. Dies gehört zum Wesen
des Lebens und des Zukunftsweges der Kirche als Communio (Gemeinschaft) und
Volk Gottes. Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für eine Wiederbelebung
echter Mitentscheidung und des synodalen Prinzips auf allen Ebenen der Kirche
ein.
Sonntag, 6. November 2011
Pfarrerinitiative Diözese Innsbruck
Pfarrerinitiative Diözese Innsbruck
Am 2. April 2006 hat sich in St. Pölten die Pfarrerinitiative konstituiert: Eine Bewegung für lebendige Gemeinden und gegen das Aushungern der Pfarren.
Ihre Anliegen sind in der Grundsatzerklärung „Mit drängender Sorge“ formuliert:
„Wir Pfarrer beobachten mit drängender Sorge und wachsender Unzufriedenheit, wie die Leitungsverantwortlichen in den Ortskirchen und in der Weltkirche derzeit mit den großen offenen Fragen und Problemen in unserer Kirche umgehen: …
Am 19. Juni 2011 hat der Vorstand der Pfarrerinitiative den „Aufruf zum Ungehorsam“ veröffentlicht.
Diese Veröffentlichung geschah ohne Information der Mitglieder. Zwei Mitglieder der Pfarrerinitiative aus der Diözese Innsbruck, die Dekane Franz Neuner und Bernhard Kranebitter, haben in einem Interview der TT vom 10. Juli den Aufruf zum Ungehorsam differenziert kommentiert. Auch Bischof Dr. Manfred Scheuer hat darin Stellung bezogen:
In diesem BLOG lesen Sie die aktuelle Stellungnahme von Dekan Franz Neuner und Dekan Bernhard Kranebitter zur aktuellen Diskussion um die Pfarrerinitiative vor der Generalversammlung am 6. Nov. 2011 in Linz. Die weiteren diözesanen Mitglieder der Pfarrerinitiative wurden um ihre Stellungnahme angefragt. Sie ist hier aber noch nicht eingearbeitet.
AUFRUF ZUR SELBSTVERANTWORTUNG
Auf Grund des steigenden Priestermangels muss ein Pfarrer immer mehr Pfarrgemeinden übernehmen. Wir Priester kommen dadurch in die Zwangssituation, zu viel seelsorgliche Verantwortung für zu viele Menschen übernehmen zu sollen. Dies wird in zunehmendem Maße fahrlässig und wir können das vor unserem Gewissen immer weniger verantworten. Erschwerend kommen dazu noch die seit langem ungelösten Fragen des Glaubens und der Kirche in unserer heutigen Zeit.
Deshalb tragen wir die Anliegen des „Aufrufes zum Ungehorsam“ im Wesentlichen mit, sehen aber noch dringenden Bedarf, sie zu präzisieren und weiter zu entwickeln. Auch das Motto des Aufrufes soll weiterentwickelt werden zu „Aufruf zur Selbstverantwortung“.
Wir rufen unseren Papst, die Bischöfe, uns Priester und alle Verantwortlichen auf, die Augen für die Not in der Seelsorge zu öffnen und als Konsequenz aus Gebet und Glaubenserneuerung endlich auch die nötigen strukturellen Reformschritte zu setzen. Wir sehen es als unsere Verpflichtung, im abgestuften Gehorsam zuerst gegenüber Gott, dann gegenüber unserem Gewissen und schließlich gegenüber der Kirche selbstverantwortlich zu handeln.
Statistisches:
-In der Diözese Innsbruck ist das Durchschnittsalter der aktiven Priester 63 Jahre. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter in Österreich beträgt 58,5 Jahre. Das Durchschnittsalter der aktiven Priester liegt also 4,5 Jahre über dem durchschnittlichen Pensionsantrittsalter in Österreich.
-zum Dekanat Lienz etwa gehören 19 Pfarren und 5 Seelsorgestellen
-von den 17 aktiven Priestern im Dekant sind
-von den 17 aktiven Priestern im Dekant sind
unter 60 Jahren 4 Priester
unter 75 Jahren 7 Priester
75 Jahre und älter 6 Priester
Diözese Innsbruck: Reform im Aufbruch
Der Bischof der Diözese Innsbruck Dr. Manfred Scheuer hat in seiner Pressekonferenz vom 9. September einen Reformschritt gesetzt und weitere Reformziele formuliert:
Reform: Wiederverheiratete Geschiedene: „Hier gibt es Handlungsbedarf. Wir müssen über die Möglichkeit nachdenken, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen wieder in die Kommuniongemeinschaft aufgenommen werden können.“ „Er werde auch keinen Pfarrer in seiner Diözese sanktionieren, der wiederverheiraten Geschiedenen die Kommunion gibt.“
Reformziele: „Dass er (Anm.: Bischof Manfred Scheuer) für die Weihe von bewährten verheirateten Männern eintritt („viri probati“), daraus macht Bischof Scheuer kein Geheimnis.“ „Wenngleich er eine höhere Wertschätzung für die Ehelosigkeit von Priestern fordert, kann er sich vorstellen, dass künftig viri probati sowie Priester, die heiraten können, und zölibatär lebende Geistliche unter einem Kirchendach vereint sind.“
„Was die … Leitung von kleinen Pfarreien von Männern und Frauen in Kooperation mit Priestern oder das Predigen von Laien in der Eucharistiefeier betrifft, so möchte Scheuer das Forderungspaket der Pfarrerinitiative aufschnüren und den Dialog auf diözesaner Ebene vorantreiben.“
Was wir wollen:
·Mit dem letzten Satz des Kirchenrechtes (CIC can. 1752) halten wir fest: Das Heil des Menschen muss in der Kirche immer das oberste Gesetz sein.
·Wir bilden ein diözesanes Netzwerk der Mitglieder der Pfarrerinitiative und laden andere Priester zur Zusammenarbeit ein.
·Wir
wollen, dass das Leben in unseren Gemeinden erhalten bleibt und sich
weiter
entfaltet. Deshalb möchten wir die dazu nötigen Reformen - auch im Rahmen der
Bildung der Seelsorgeräume und der Glaubenserneuerung - vorantreiben.
Bischof
Manfred Scheuer hat im September 2011 im Blick auf die Anliegen der
Pfarrerinitiative wünschenswerte und jetzt bereits in der Diözese realisierbare
Reformen benannt. Diese wollen wir mit ihm verwirklichen. Dabei gilt das Wort
unserer Seelsorgeamtsleiterin bei der Söllerpredigt 2011: „Trauts enk!“
·Wir möchten uns unter dem Leitwort „Aufruf zur Selbstverantwortung“ entschieden für Reformen im Sinne des II. Vatikanischen Konzils einsetzen. Dabei suchen wir die Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen der Kirche, mit den Bischöfen und mit allen haupt- und ehrenamtlich in der Pastoral Tätigen. Die Änderung des Mottos „Aufruf zum Ungehorsam“ ist nun wichtig,
oum eine positiver Formulierung des Anliegens zu erreichen
oum nicht zu verdunkeln, dass es uns bei Reformen gerade um den Gehorsam gegenüber Gott, unserem Gewissen und der Sendung Kirche in dieser Welt geht
oum zu verdeutlichen, dass es um Selbstverantwortung bei allen, den Getauften, den Bischöfen, Priestern und Diakonen geht
odamit wir wieder zur pastoralen Sachdebatte finden. (Vgl. Prof. Paul Zulehner am 17.08.2011 – Link: http://religion.orf.at/projekt03/news/1108/ne110817_zulehner_fr.htm
Als Anträge bringen wir bei der Generalversammlung der Pfarrerinitiative am 6. November ein:
1.Der „Aufruf zum Ungehorsam“ soll in Zukunft „Aufruf zur Selbstverantwortung“ heißen.
2.Die im „Aufruf zum Ungehorsam“ genannten Anliegen sollen unter Einbeziehung von Vertretern der Pfarrerinitiative aus anderen Diözesen Österreichs präzisiert und weiterentwickelt werden.
3.Unter den diözesanen Mitgliedern der Pfarrerinitiative sollen „Diözesansprecher“ ermittelt werden, die mit dem Vorstand in wichtigen Fragen und bei Stellungnahmen gemeinsam beraten und entscheiden.
Artikelservice:
Dekan Franz Neuner im Interview mit tirol.ORF.at
Gastkommentar Franz Neuner, TT, 25. August 2011
Reform tut not – dringend!
Treue zur Kirche und Drängen auf Erneuerung - darin sehe ich keinen Widerspruch. Allerdings finde ich den Aufruf zum Ungehorsam nicht förderlich, weil man sich jetzt daran festbeißt, anstatt endlich auf die Ebene der Anliegen zu gehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Priester stellen sich ja nicht gegen die Kirche, sondern formulieren ihre Anliegen aus Sorge um diese Kirche. Hartnäckig werden anstehende Reformanliegen von Rom ignoriert und blockiert. Die unge-lösten seelsorglichen Probleme aber gefährden die pastorale Einheit der Kirche viel mehr als die „ungehorsamen Pfarrer“.
Zunächst gilt es jene Fragen in den Blick zu nehmen, auf die rasch reagiert werden kann und muss. Dazu gehören die Kommunion für Geschieden-Wiederverheiratete und eine stärkere Rolle der Laien in Leitung und Verkündigung.
Papst Benedikt XVI. betont zurecht die zentrale Bedeutung der Eucharistie als Herzstück der Kirche. Wenn die Messe am Sonntag - durch die rückläufige Zahl der Priester - aber nicht mehr in jeder Gemeinde gefeiert werden kann, ist das nicht ein Problem neben anderen, sondern ein akuter kirchlicher Notstand. Die Eucharistie darf nicht der Entscheidung über die Zugangswege zum Priesteramt geopfert werden. Über die Frage der Zulassung von verheirateten Männern und Frauen zum Priester-amt muss gesprochen werden.
Zum Christsein gehört eine beherzte Offenheit für die Zukunft und für neue Wege, die Gottes Geist uns zeigt. Diesen Wunsch verbinde ich mit den Anliegen der Pfarrerinitiative und den kommenden, hoffentlich konstruktiven Gesprächen.
Franz Neuner
Dekan in Breitenwang
TT 30. August: „Einer der führenden Kirchenvertreter Tirols, Abt Anselm Zeller, Stift Fiecht, spricht sich dafür aus, dass Europas Priester heiraten dürfen.“ „Der Zölibat ist nicht das Wichtigste. Ich glaube, Europas Priester sollen heiraten dürfen.“
Stellungnahme Bernhard Kranebitter - Orientierung, ORF 2,
Sonntag, 4. September 2011:
„Ich bin sehr gerne Pfarrer, es ist ein erfüllender, herausfordernder Beruf. Für mich könnte es keinen besseren geben. Ich bejahe für mich die zölibatäre Lebensweise als Priester, für mich ist sie ein Teil meiner Berufung.“ „Aber der relativ wichtige Wert des Zölibates ist so etwas wie eine heilige Kuh in der kath. Kirche geworden. Er wird dadurch vergötzt und noch Wichtigeres wird ihm geopfert: zum Beispiel auch schon da und dort die sonntägliche Eucharistiefeier. Ich habe oft den Eindruck, dass meiner Kirche das Prinzip des Pflichtzölibates wichtiger ist, als wir konkreten zölibatären Priester und dass wir ohne Überforderung Priester sein können. Wir brauchen heute auch verheiratete Priester, damit die zölibatären Priester auf spirituelle, menschennahe und ausstrahlende Weise Seelsorger sein können.“
„Wenn schon vor bald 2000 Jahren in der Bibel Paulus im Römerbrief, Kap. 16, von der Diakonin Phoebe spricht: dann wäre es doch heute, da uns die Geschlechtergerechtigkeit viel grundlegender aufgegangen ist, höchst an der Zeit, das Amt der Diakonin wieder einzuführen. Zur rechten Zeit ist es dann auch wichtig, dass Frauen das Priester- und Bischofsamt in der Kath. Kirche offen steht.“
siehe
Beitrag in der Orientierung am 4.9.2011 (Pfarrer-Initiative: Debatte über „Aufruf
zum Ungehorsam“ reißt nicht ab)
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