Mittwoch, 19. August 2020

 

Stellungnahme der Pfarrer-Initiative Österreich

 zur "Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarrgemeinden im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" des römischen Dikasteriums für den Klerus

 Wien, 28.07.2020 | Die Instruktion bietet nur in Ansätzen eine Analyse der geänderten gesellschaftlichen und kirchlichen Situation, um dann kirchenrechtliche Regelungen einzufordern, die schon zur Zeit der Verabschiedung vor 40 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit waren und zum Teil hinter dem II. Vatikanische Konzil zurückgeblieben sind. Mit missionarischem Eifer wird eingeschärft, dass die Pfarrgemeinderäte nur beratende Funktion hätten, allen Nichtgeweihten das Predigen bei der Messfeier sowie eine kollegiale Leitung von Priestern und Laien verboten sei.

 Würden wir unsere Pfarrgemeinden mit diesem angemahnten monarchischen Klerikalismus leiten, verlören wir gerade jene mitverantwortlichen Christinnen und Christen, die das Salz und das Licht einer den Menschen zugewandten Pfarrgemeinde sind. Die Instruktion beschwört eine Situation herauf, in der Bischöfe und Priester aus pastoraler Not zum „Ungehorsam“ getrieben werden. So ist das Schreiben dazu angetan auf Grund des Nicht-Ernstnehmens der Situation die Bischöfe, Priester und Pfarrgemeinden zu spalten.

 Die große Illusion der Instruktion ist es, zu meinen, die Kirche könne die Menschen von heute missionarisch ansprechen, ohne als Kirchenleitung die grundlegenden Werte der modernen Gesellschaft und des Evangeliums, wie Partizipation und die gleiche Würde jeder Person, selbst zu verwirklichen. (Vgl. Brief an die Galater 3,26: Denn alle seid ihr durch den Glauben Söhne und Töchter Gottes in Christus Jesus). Wir sehen auch, dass durch die Überhöhung des Priesteramtes Gott selbst, Jesus Christus und das Wirken des Geistes aus der Mitte des kirchlichen Lebens gedrängt werden.

 Papst Franziskus hat eine synodalere Kirche mit dezentraleren Strukturen angemahnt. Diese Instruktion aus der Kirchenzentrale aber dürfte auch die österreichischen Bischöfe und die diözesanen Gremien in ihren Bemühungen, auf den Priestermangel konstruktiv zu reagieren, vor den Kopf stoßen. Deshalb richtet sich unsere Hoffnung darauf, dass sie Anregungen und neue regionale Regelungen finden, wie der Dienst der Taufberufenen und das Dienstamt des Priesters besser zusammengeführt werden können. Dazu gehören auch mutige Eingaben nach Rom für ein erneuertes Amt in der Kirche, das für Frauen und Männer, Verheiratete und Zölibatäre geöffnet wird.

 Der Vorstand der Pfarrer-Initiative Österreich

 Pressekontakt:

Bernhard Kranebitter, Dekan, Diözese Innsbruck
Tel: 0676-8730 7051
Email:
bernhard.kranebitter@dibk.at

 Hans Bensdorp, Kirchenrektor, Erzdiözese Wien
Tel: 0664-621 7000
Email:
post@pfarrer-initiative.at

Pamina Haussecker, Presse und Öffentlichkeit, Pfarrer-Initiative
presse@pfarrer-initiative.at

Freitag, 8. November 2019


P r e s s e m e l d u n g

„#Amazonien auch bei uns!“
Die Pfarrerinitiative der Diözese Innsbruck lädt dazu ein, die Petition „#Amazonien auch bei uns!“ zu unterzeichnen

Innsbruck, 05.11.2019 | Mit der Unterzeichnung verpflichten wir uns persönlich zu einem nachhaltigen Lebensstil und dazu, uns in Gesellschaft und Kirche für Schöpfungsverantwortung und soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Zudem fordern wir die Bischofskonferenz auf, im Rahmen verstärkten Einsatzes für das Evangelium dem Papst mutige Vorschläge zur Milderung des Priestermangels – und damit zur Abhilfe der seelsorglichen Not in unseren Pfarrgemeinden – zu machen: In konkreten Fällen soll neben der Grundform des zölibatären Priesters auch bewährten verheirateten Personen der Zugang zur Priesterweihe eröffnet werden. Frauen soll für den selben Weg als erster Schritt umgehend der Zugang zum Diakonat ermöglicht werden. 

Die Pfarrer-Initiative ist eine österreichweite Bewegung katholischer Priester und Diakone, die sich für lebendige Gemeinden, zeitgemäße Kirchenstrukturen und eine glaubwürdige Weltkirche einsetzt, die den Dienst am Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt. Gegründet im April 2006 durch neun Priester, verzeichnet die Pfarrer-Initiative heute rund 400 Mitglieder aus den Reihen der römisch-katholischen Kirche; rund 3.100 Laien unterstützen die Reformbewegung um Pfarrer Helmut Schüller.

Für die Pfarrerinitiative Innsbruck 
Dekan Bernhard Kranebitter, Pfr. Christoph Pernter, Diakon Willi Holzhammer

Pressekontakt:
Bernhard Kranebitter, Dekan
St. Georgs-Weg 15
6020 Innsbruck
Tel: 0512/281724

Donnerstag, 7. November 2019

Die Pfarrerinitiative der Diözese Innsbruck lädt dazu ein, die Petition „#Amazonien auch bei uns!“ zu unterzeichnen (siehe Link)

Mit den besten Grüßen
  Bernhard Kranebitter, Dekan

http://www.amazonien-auch-bei-uns.com/

 

 

Dienstag, 26. Februar 2019

Kinderschutzgipfel in Rom vom 21.-24.2.2019


Die weltweit wichtigsten Entscheidungsträger der katholischen Kirche waren zu dieser Konferenz gegen Missbrauch in der Kirche gekommen: Die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aller Erdteile mit ihren so unterschiedlichen kulturellen Perspektiven.
Sie diskutierten 21 Reformanliegen, die Papst Franziskus vorgelegt hatte. Wir können feststellen, dass die meisten davon in unserer Diözese Innsbruck bereits seit 2010 verwirklicht sind: Die Zusammenarbeit mit der staatlichen Gerichtsbarkeit ohne jede Vertuschung, eine Rahmenordnung der österreichischen Bischofskonferenz gegen Missbrauch, die Einrichtung einer diözesanen Ombudsstelle für Opfer kirchlicher Gewalt und einer unabhängigen Kommission mit Fachleuten von außen, eine diözesane Stabsstelle für Kinder- und Jugendschutz, Zahlungen als Entschädigung und für Therapie, Bestrafung der Schuldigen, …
Von erschütternder Kraft waren bei dieser Konferenz in Rom die persönlich vorgetragenen Berichte von Opfern klerikalen Missbrauchs, auch beim Bußgottesdienst mit dem Eingeständnis der Schuld der Kirche durch die Bischöfe mit dem Papst. Per Live-Stream konnte man dieser Liturgie folgen. Besonders stark waren die Stellungnahmen einer afrikanischen Ordensoberin und einer mexikanischen Journalistin. Letztere fragte die Bischöfe eindringlich: Habt ihr wirklich entschieden, dass ihr auf der Seite der Opfer von Missbrauch steht?
Deutlich sprach Kardinal Marx kirchenrechtliche Gründe für Missbrauch in der katholischen Kirche an. Dabei nannte er das Päpstliche Geheimnis, das nicht nur das Opfer und die Rechte eines Angeklagten schützt, sondern auch die vatikanischen Behörden der Kontrolle, der Rechenschaftspflicht, der Transparenz und Nachvollziehbarkeit entzieht.
Bischof Marx erinnerten auch an den Missstand, dass im geltenden Kirchenrecht nur Priester und Bischöfe die Möglichkeit haben, gegen kirchliche Verwaltungsakte und Strafurteile Widerspruch einzulegen.
Erst einen Tag nach der Konferenz wurden konkrete Vorhaben veröffentlicht: Ein für alle Diözesen absolut verbindliches Regelwerk für den Umgang mit Missbrauch und eine Task Force, die die Diözesen bei dessen Umsetzung unterstützen wird.
Die systemischen Gründe für Missbrauch, wie die klerikale, bischöflich-monarchische, männerbündischen Drei- Stände-Verfassung der Kirche, die den Missbrauch von Macht begünstigen, wurden noch wenig bedacht. Auch der Zusammenhang mit dem die Pfarrgemeinden bedrängenden Priestermangel wurde noch wenig wahrgenommen.
Die Bischöfe und der Papst haben kirchenrechtlich alle Macht in ihren Händen. Ob sie diese Macht im Dienst am Evangelium, an der gesamten Tradition, an den Menschen und der Kirche entschieden einsetzen, um die Verfassung und die Lehre der Kirche von autoritären und überkommenen alten Zöpfen zu befreien? Oder ob sie die Konzentration der Macht in ihren Händen schützen?
Liebe Brüder Bischöfe: ihr habt es in der Hand! Zu einer wieder glaubwürdigen Kirche ist es noch ein weiter Weg, die Richtung aber stimmt. Habt den Mut weiterzugehen! Die Zeichen der Zeit sind deutlich und drängend! Lassen wir unsere Pfarrgemeinden nicht im Stich!

Dekan Bernhard Kranebitter, Sprecher der Pfarrerinitiative Innsbruck